Sonnenzyklus 25 – Aktive Sonne mit Sonnenflecken

Sonnenzyklus 25: Warum die Sonne 2024 bis 2026 so aktiv ist

Im Mai 2024 erlebte Deutschland die stärksten Polarlichter seit zwei Jahrzehnten. Menschen fotografierten von München bis Hamburg leuchtend rote und grüne Auroren, und der zugrunde liegende Sonnensturm erreichte die höchste Sturmklasse G5. Dass solche Ereignisse in diesem Zeitraum möglich waren, ist kein Zufall, sondern eine direkte Konsequenz des Sonnenzyklus, in dem wir uns befinden.

Sonnenzyklus 25 begann Ende 2019 und hat sich als deutlich aktiver herausgestellt als Wissenschaftler ursprünglich prognostiziert hatten. Das Verständnis dieses Zyklus, seiner Phase und seiner verbleibenden Aktivität, ist die Grundlage für realistische Erwartungen an Polarlichter und Sonnenstürme in den kommenden Jahren.

Was ist ein Sonnenzyklus?

Die Sonne durchläuft einen periodischen Aktivitätszyklus, der sich im Mittel über etwa elf Jahre erstreckt, tatsächlich aber zwischen neun und vierzehn Jahren variieren kann. Der Zyklus wird durch das Sonnenmagnetfeld angetrieben. Im Verlauf eines Zyklus wickeln sich die Magnetfeldlinien durch die differentielle Rotation der Sonne auf, konzentrieren sich in bestimmten Regionen, und führen dort zu den sichtbaren Erscheinungen der Sonnenaktivität: Sonnenflecken, Solar Flares und koronale Massenauswürfe.

Am Beginn eines Zyklus, dem solaren Minimum, ist die Sonne ruhig. Wenige Sonnenflecken sind sichtbar, starke Sonnenstürme sind selten. Im Verlauf des Zyklus steigt die Aktivität bis zum solaren Maximum, dem Höhepunkt, an dem Sonnenflecken häufig sind und große Eruptionen regelmäßig auftreten. Danach fällt die Aktivität wieder ab bis zum nächsten Minimum, das gleichzeitig der Beginn des folgenden Zyklus ist.

Die Zählung der Zyklen begann mit Sonnenzyklus 1 im Jahr 1755. Der aktuelle Zyklus trägt die Nummer 25. Sein Vorgänger, Zyklus 24, war ein vergleichsweise schwacher Zyklus, das schwächste Maximum seit einem Jahrhundert. Das ließ manche Forscher vermuten, dass auch Zyklus 25 schwach werden würde.

Sonnenzyklus 25 im Überblick

Das Minimum zwischen Zyklus 24 und Zyklus 25 wurde im Dezember 2019 festgelegt, rückblickend nach dem Verfahren des Space Weather Prediction Center der NOAA. Von da an stieg die Sonnenfleckenzahl kontinuierlich an, zunächst langsam, dann zunehmend schnell.

Die offizielle Prognose des NOAA/NASA Solar Cycle 25 Prediction Panel, veröffentlicht 2019, erwartete ein Maximum mit einem geglätteten Sonnenfleckenzahl-Höchstwert von etwa 115, ähnlich dem schwachen Zyklus 24 mit einem Maximum von 116. Diese Prognose erwies sich als zu konservativ.

Bereits 2022 übertraf die Aktivität die Prognose regelmäßig. 2023 war das aktuelle Sonnenmaximum in Sicht, und 2024 wurde es erreicht: Das geglättete Maximum lag bei etwa 130 bis 135 Sonnenflecken, deutlich über der Prognose und vergleichbar mit dem Zyklus 22 aus den späten 1980er Jahren, der für seine starken Stürme bekannt ist.

Warum Sonnenzyklus 25 stärker wurde als erwartet

Die Sonnenzyklus-Vorhersage ist eines der schwierigsten Probleme der Sonnenwissenschaft. Das interne Dynamo-Modell der Sonne, das dem Zyklus zugrunde liegt, ist komplex und chaotisch. Verschiedene Vorhersagemethoden liefern unterschiedliche Ergebnisse, und keine ist zuverlässig genug für präzise Langfristprognosen.

Ein Faktor, der die Unterschätzung von Zyklus 25 erklären könnte, ist die Rolle der Hale-Polizität-Regeln. Jeder Sonnenzyklus kehrt die magnetische Polarität der Sonnenflecken um. Zyklus 25 begann mit einer Polumkehr des solaren Magnetfelds, die nach dem schwachen Zyklus 24 mit einer veränderten Ausgangslage für das globale solare Magnetfeld verbunden war. Einige Forscher hatten daraus auf eine niedrige Aktivität geschlossen; andere Modelle sagten eine Verstärkung voraus.

Die Realität zeigte, dass Zyklus 25 nicht nur die Vorhersagen übertraf, sondern auch früher als erwartet sein Maximum erreichte. Das ist ein bekanntes Muster: Zyklen, die schnell ansteigen, neigen dazu, ein früheres und stärkeres Maximum zu haben.

Das Sonnenmaximum und seine Konsequenzen

Das Maximum von Sonnenzyklus 25 wurde rückblickend auf den Zeitraum Oktober bis November 2024 datiert. In diesem Zeitraum war die geglättete Sonnenfleckenzahl am höchsten, und die Häufigkeit großer Ereignisse war im Vergleich zu den Vorjahren am stärksten.

In den Monaten um das Maximum häufen sich Solar Flares der X-Klasse, große koronale Massenauswürfe und die daraus resultierenden geomagnetischen Stürme. Genau in diese Phase fiel der G5-Sturm vom Mai 2024, der eindrücklichste Beweis dafür, was Sonnenzyklus 25 zu leisten in der Lage ist.

Nach dem Maximum nimmt die Aktivität ab, aber nicht abrupt. Der absteigende Ast eines Sonnenzyklus ist typischerweise langsamer als der aufsteigende. Stärkere Zyklen wie Zyklus 25 können auch im Abstieg noch regelmäßig starke Ereignisse produzieren, weil die Reserven an magnetischer Energie im Sonnenplasma erst nach und nach abgebaut werden.

Sonnenflecken als Aktivitätsindikator

Sonnenflecken sind die sichtbarste Manifestation der solaren Magnetaktivität. Sie entstehen, wo starke Magnetfeldlinien aus der Sonnenoberfläche austreten und das aufsteigende heiße Plasma abbremsen. Die abgekühlten Regionen erscheinen deshalb dunkler als die Umgebung, obwohl sie mit Temperaturen von 3500 bis 4500 Kelvin immer noch intensiv leuchten. Auf einem dunklen Hintergrund wären Sonnenflecken heller als der Vollmond.

Große Sonnenfleckengruppen sind die Brutstätten von Solar Flares und koronalen Massenauswürfen. Je größer und magnetisch komplexer eine Sonnenfleckengruppe ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Eruption. Gruppen der magnetischen Klassen Delta und Beta-Gamma-Delta sind besonders aktiv und werden von Sonnenwetter-Diensten besonders beobachtet.

Im Maximum eines Zyklus sind gleichzeitig mehrere große, aktive Sonnenfleckengruppen auf der Sonnenscheibe sichtbar. Das erhöht die statistische Wahrscheinlichkeit, dass eine davon erdgerichtet eruptiert. Genau dieses Szenario trat im Mai 2024 ein, als eine besonders große und magnetisch komplexe Region mehrere aufeinanderfolgende Eruptionen produzierte.

Sonnenstürme und Polarlichter im Sonnenzyklus 25

Die Häufigkeit starker Sonnenstürme folgt dem Sonnenzyklus. G3-Stürme und stärker sind im Maximum etwa dreimal häufiger als im Minimum. G5-Stürme sind selten in jedem Zyklusabschnitt, aber das Maximum erhöht die Chancen erheblich.

Für Polarlicht-Beobachter in Deutschland ist die aktuelle Zyklusphase direkt relevant. Im Maximum sind Polarlicht-Ereignisse häufiger und in der Tendenz stärker. Die außergewöhnliche Häufung von Polarlicht-Sichtungen in Deutschland seit 2024 ist eine direkte Folge des erhöhten Aktivitätsniveaus.

Auch im absteigenden Ast, in dem wir uns Mitte 2026 befinden, bleibt das Aktivitätsniveau erhöht. Statistisch gesehen ist die erste Hälfte des Abstiegs noch annähernd so aktiv wie die Aufstiegsphase. Die stärksten Stürme eines Zyklus fallen manchmal sogar nach dem Maximum, weil die Kombination aus noch vorhandenen aktiven Regionen und günstiger Magnetfeldgeometrie zu besonders wirkungsvollen Ereignissen führen kann.

Wann endet Sonnenzyklus 25?

Das Ende eines Sonnenzyklus ist gleichzeitig das Minimum zwischen diesem Zyklus und dem folgenden. Basierend auf der durchschnittlichen Zykluslänge und dem Verlauf von Zyklus 25 wird das Minimum zwischen Zyklus 25 und Zyklus 26 für den Zeitraum 2030 bis 2032 erwartet. Diese Schätzung ist mit erheblicher Unsicherheit behaftet.

Bis dahin durchläuft die Aktivität einen kontinuierlichen, wenn auch nicht gleichmäßigen Rückgang. Jahre wie 2027 oder 2028 werden wahrscheinlich deutlich ruhiger sein als 2024. Gelegentliche starke Ereignisse bleiben aber bis zum Minimum möglich, weil aktive Regionen auch in ruhigeren Zyklusabschnitten auftreten.

Sonnenzyklus 26 wird derzeit von verschiedenen Gruppen prognostiziert. Die Bandbreite der Erwartungen reicht von einem Zyklus ähnlicher Stärke wie Zyklus 25 bis zu einem etwas schwächeren Zyklus. Verlässliche Aussagen sind erst möglich, wenn das Minimum von Zyklus 25 näher rückt und die Vorläufer-Indikatoren für den neuen Zyklus besser eingeschätzt werden können.

Wie man den Sonnenzyklus für die Polarlicht-Planung nutzt

Für praktische Polarlicht-Planungen ist die Zyklusphase ein Hintergrundkontex, kein Tagesplaner. Der Sonnenzyklus gibt an, wie hoch das Hintergrundrauschen der solaren Aktivität ist. Im Maximum sind mehr aktive Regionen auf der Sonne, und die Wahrscheinlichkeit eines Sturms in jeder beliebigen Woche ist höher als im Minimum.

Das bedeutet aber nicht, dass das Maximum durchgehend aktiv ist. Auch im stärksten Maximum gibt es ruhige Wochen ohne bedeutende Sonnenfleckengruppen. Und im schwächsten Minimum können gelegentlich überraschend starke Ereignisse auftreten.

Der sinnvolle Umgang mit der Zykluslage: In einer aktiven Phase wie 2024 bis 2026 ist die Bereitschaft, auf einen Polarlicht-Alert sofort zu reagieren, wichtiger denn je, weil die Chancen auf starke Ereignisse am höchsten sind. Wer in diesen Jahren einen dunklen Standort kennt, Alert-Apps eingerichtet hat und die Grundlagen von Kp-Index und BZ-Wert versteht, hat in einer Nacht wie dem Mai 2024 alle Voraussetzungen, um das Schauspiel zu erleben.

Die Zyklusphase gibt außerdem eine mittelfristige Perspektive: Die kommenden zwei bis drei Jahre bieten noch gute Chancen für starke Ereignisse. Danach, mit dem Übergang zum Minimum, werden Polarlicht-Sichtungen in Deutschland seltener und setzen höhere Kp-Schwellenwerte voraus, bis der nächste Anstieg beginnt.


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