Visualisierung des Sonnenwinds

Die unsichtbare Kraft aus dem All: Der Sonnenwind im Detail

Der Sonnenwind ist ein kontinuierlicher Strom geladener Teilchen, der von der Sonne in alle Richtungen des Weltraums strömt. Die Teilchen bestehen hauptsächlich aus Elektronen, Protonen und Alphateilchen und erreichen Geschwindigkeiten von 300 bis 800 Kilometern pro Sekunde. Obwohl die Sonne dadurch etwa eine Million Tonnen Masse pro Sekunde verliert, ist dieser Verlust im Verhältnis zu ihrer Gesamtmasse verschwindend gering.

Hinweise auf den Sonnenwind fanden Astronomen bereits im 19. Jahrhundert. Sie beobachteten, dass Kometenschweife unabhängig von der Flugrichtung stets von der Sonne wegzeigen. 1951 formulierte Ludwig Biermann die Theorie eines stetigen Teilchenstroms, der diese Erscheinung erklärt. Erst 1962 bestätigte Mariner 2 die Existenz des Sonnenwinds durch direkte Messungen.

Entstehung in der Sonnenkorona

Der Sonnenwind entsteht in der Korona, der äußersten Schicht der Sonnenatmosphäre. Dort herrschen Temperaturen von über einer Million Grad Celsius, während die sichtbare Photosphäre lediglich etwa 5.500 Grad Celsius erreicht. Die enorme Hitze der Korona zählt zu den größten Rätseln der Sonnenphysik.

Bei diesen Temperaturen bewegen sich die Teilchen so schnell, dass sie der Gravitation der Sonne entkommen. Das vollständig ionisierte Plasma expandiert nach außen und beschleunigt weiter. Magnetische Wellen, die durch Turbulenzen entstehen, transportieren vermutlich einen großen Teil der Energie, die die Korona aufheizt. Missionen wie die Parker Solar Probe liefern neue Daten zu diesen Prozessen.

Zwei Arten des Sonnenwinds

Forschende unterscheiden zwischen schnellem und langsamem Sonnenwind. Der schnelle Sonnenwind erreicht bis zu 800 Kilometer pro Sekunde und entweicht aus koronalen Löchern mit offenen Magnetfeldlinien. Der langsame Sonnenwind bewegt sich mit 300 bis 400 Kilometern pro Sekunde aus Regionen mit geschlossenen Feldlinien und besitzt eine komplexere chemische Zusammensetzung.

Die Eigenschaften des Sonnenwinds folgen dem elfjährigen Sonnenzyklus. Während des Aktivitätsmaximums wird der Wind turbulenter, und koronale Massenauswürfe stören den regulären Strom. Diese Plasmawolken erzeugen Stoßwellen, wenn sie den normalen Sonnenwind überholen.

Auswirkungen auf das Sonnensystem

Der Sonnenwind formt die Heliosphäre, eine riesige Blase aus Sonnenplasma, die sich bis weit hinter Pluto erstreckt. An der Heliopause trifft der Sonnenwind auf das interstellare Medium und verliert seine Überschallgeschwindigkeit. Voyager 1 und Voyager 2 durchquerten diese Übergangszone erstmals 2012 beziehungsweise 2018.

Auf der Erde verursacht der Sonnenwind Polarlichter. Geladene Teilchen treffen auf das Magnetfeld, werden zu den Polen abgelenkt und regen dort Luftmoleküle zum Leuchten an. Sauerstoff erzeugt grünes und rotes Licht, Stickstoff sorgt für blaue und violette Farbtöne.

Messung und Beobachtung

Satelliten wie ACE messen die Eigenschaften des Sonnenwinds kontinuierlich. ACE befindet sich am Lagrange-Punkt L1 und liefert Echtzeitdaten als Frühwarnsystem für Weltraumwetter. Die Analyse von Isotopen und Ionisationszuständen verrät Details über Temperatur, Dichte und Magnetaktivität in der Korona.

Solar Orbiter kombiniert In-situ-Messungen mit hochauflösenden Bildern und verknüpft so Sonnenwind-Strukturen direkt mit ihren Ursprungsregionen. Die Mission beobachtet zudem erstmals die Polarregionen der Sonne aus relativer Nähe.

Einfluss auf Planeten ohne Magnetfeld

Planeten ohne schützendes Magnetfeld sind dem Sonnenwind besonders ausgesetzt. Der Mars verliert laut MAVEN-Messungen täglich etwa 100 Gramm Atmosphäre an den Weltraum. Nachdem der Planet vor Milliarden Jahren sein globales Magnetfeld verlor, konnte der Sonnenwind die Atmosphäre zunehmend abtragen.

Auch Venussatelliten beobachten eine langsame Erosion der dichten Atmosphäre, während Merkur trotz schwachem Magnetfeld einer starken Teilchenstrahlung ausgesetzt ist. Die Mission BepiColombo soll diese Prozesse künftig genauer untersuchen.

Bedeutung für die Weltraumforschung

Das Verständnis des Sonnenwinds ist entscheidend für die Planung bemannter Missionen. Astronauten außerhalb des Erdmagnetfelds sind der Strahlung direkt ausgesetzt, weshalb Schutzräume und Abschirmkonzepte unverzichtbar sind. Zudem beeinflusst der Sonnenwind Satellitenbahnen, GPS-Signale und die obere Erdatmosphäre.

Auch Satellitenbetreiber müssen bei erhöhter Sonnenaktivität Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ein aufgeheizter Sonnenwind kann den Luftwiderstand in niedrigen Umlaufbahnen steigern und häufiger Bahnkorrekturen erforderlich machen.

Sonnenwind in anderen Sternsystemen

Stellarer Wind ist ein universelles Phänomen. Junge und aktive Sterne erzeugen besonders starke Winde, die die Atmosphären ihrer Planeten beeinflussen. Beobachtungen mit Radioteleskopen und Spektrometern helfen dabei, die Auswirkungen solcher Winde auf das interstellare Medium zu erfassen.

Die Erforschung des Sonnenwinds verbindet Plasmaphysik, Astronomie und Weltraumtechnologie. Jede neue Raumsonde liefert Daten, die unser Verständnis verbessern und langfristig zuverlässigere Vorhersagen für das Weltraumwetter ermöglichen.


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