Der Kp-Index ist die Zahl, die auf dieser Website am häufigsten abgerufen wird. Er steht auf der Startseite, er taucht in Polarlicht-Warnungen auf, und er entscheidet, ob Beobachter in Deutschland losfahren oder nicht. Was genau hinter dieser Zahl steckt, wie sie entsteht und warum sie nicht immer das vollständige Bild liefert, ist weniger bekannt.
Die Grundlage des Kp-Index ist ein weltweites Netzwerk von geomagnetischen Beobachtungsstationen. Das Netz umfasst derzeit 13 Referenzstationen, die alle in subpolaren Breiten zwischen 44 und 60 Grad nördlicher und südlicher Breite liegen. In Deutschland betreibt das GFZ Potsdam das Observatorium Niemegk in Brandenburg, eine der ältesten und wichtigsten Stationen im Netzwerk.
Jede Station misst die horizontale Komponente des Erdmagnetfelds kontinuierlich. Aus diesen Messungen wird alle drei Stunden der lokale K-Index abgeleitet, eine Zahl von 0 bis 9, die beschreibt, wie stark sich das Magnetfeld in diesem Zeitraum verändert hat. Der globale Kp-Index ist der gewichtete Mittelwert aller K-Indizes dieser 13 Stationen.
Der Buchstabe K stammt vom deutschen Wort Kennziffer, der Zusatz p steht für planetary, also global. Julius Bartels, ein deutscher Geophysiker, entwickelte diesen Index 1939. Er ist heute der weltweit am häufigsten verwendete Indikator für geomagnetische Aktivität.
Die Skala ist nicht linear, sie ist quasi-logarithmisch. Das bedeutet, der Unterschied zwischen Kp 8 und Kp 9 ist deutlich größer als der zwischen Kp 1 und Kp 2. Das Netzwerk aus Messstationen verwendet eine Buchstabenskala (A bis K für jeden lokalen Index), die dann in die numerischen K-Werte umgerechnet wird.
Kp 0: Vollständige Ruhe. Das Magnetfeld zeigt keine erkennbare externe Störung. Solche Phasen treten häufig im solaren Minimum auf.
Kp 1–2: Ruhige bis leicht aktive Bedingungen. Kein praktischer Effekt für Beobachter oder Infrastruktur. In polaren Breiten können schwache Auroren auftreten.
Kp 3–4: Unruhige Bedingungen. Erste schwache Auswirkungen auf hochpräzise Navigationssysteme in polaren Breiten. Polarlichter in Skandinavien möglich.
Kp 5: Erste Sturmkategorie (G1 auf der NOAA-Skala). Polarlichter an der deutschen Nordseeküste mit Kamera erfassbar. Geringe Auswirkungen auf Stromnetze und Satelliten.
Kp 6: Moderater Sturm (G2). Polarlichter in Norddeutschland mit bloßem Auge bei dunklem Standort. Satellitenorientierungskorrekturen häufiger nötig.
Kp 7: Starker Sturm (G3). Polarlichter bis nach Mitteldeutschland. GPS-Fehler im Bereich mehrerer Meter. Hochspannungsnetze können unter Beobachtung genommen werden.
Kp 8: Schwerer Sturm (G4). Ganz Deutschland potenziell erfasst. GPS deutlich gestört. Netzbetreiber aktivieren Schutzmaßnahmen. Polarlicht auch aus Bayern möglich.
Kp 9: Extremer Sturm (G5). Gesamtes Deutschland betroffen. Mögliche Netzstörungen. Polarlichter bis in subtropische Breiten sichtbar. Tritt selten auf, zuletzt im Mai 2024.
Die Umrechnung von Magnetfeldmessungen in K-Werte ist nicht trivial. Jede Station hat eine eigene Grundaktivität, die von ihrer geografischen Lage abhängt. Eine Station nahe dem magnetischen Pol sieht täglich mehr Variation als eine Station in mittleren Breiten, selbst wenn keine Sonnensturmaktivität vorliegt.
Bartels entwickelte deshalb stationsindividuelle Umrechnungstabellen. Was bei Station A einem K von 5 entspricht, entspricht bei Station B vielleicht einem K von 6, gemessen in absoluten Nanotesla. Die Tabellen sorgen dafür, dass K-Werte verschiedener Stationen vergleichbar sind.
Der globale Kp ist der lineare Mittelwert dieser kalibrierten K-Werte. Er wird vom GFZ Potsdam als offizielle internationale Referenzstelle für den Kp-Index berechnet und publiziert. Vorläufige Werte erscheinen in Echtzeit, endgültige Werte nach einer Qualitätsprüfung.
Was auf Weltraumwetter-Websites unter Kp-Prognose erscheint, ist keine Garantie, sondern eine wahrscheinlichkeitsbasierte Abschätzung. Die NOAA publiziert dreistündliche Prognosen für den nächsten Tagesverlauf auf Basis von Satellitenbeobachtungen, CME-Analysen und statistischen Modellen.
Diese Prognosen werden regelmäßig aktualisiert und können sich innerhalb von Stunden stark ändern. Ein CME, der auf dem Weg zur Erde beobachtet wird, verändert die Prognose deutlich nach oben. Ein positiverer BZ-Wert als erwartet drückt sie nach unten.
Der tatsächlich gemessene Kp-Wert ist erst nach Ablauf des dreistündigen Messfensters verfügbar. Was in Echtzeit angezeigt wird, sind entweder Prognosen, vorläufige Schätzungen auf Basis einzelner Stationen oder abgeleitete Werte aus Satellitenwindmessungen. Erst rund drei Stunden nach dem Ende eines Messfensters steht der offizielle Kp-Wert fest.
Der Kp ist ein globaler Mittelwert über drei Stunden. Beides sind Einschränkungen, die in der Praxis wichtig sind.
Die Drei-Stunden-Mittelung bedeutet, dass kurzfristige Spitzen in der Aktivität nicht sichtbar werden. Ein Sturm kann innerhalb dieser drei Stunden auf Kp 9 steigen und wieder fallen. Der gemittelte Kp für diesen Zeitraum liegt dann vielleicht bei 7 oder 8, obwohl die Spitze heftiger war.
Die globale Mittelung bedeutet, dass lokale Verstärkungen nicht abgebildet werden. Das Auroren-Oval ist nicht gleichmäßig aktiv, manche Bereiche leuchten intensiver als andere, je nach magnetischer Geometrie des aktuellen Sturms.
Für eine präzise Echtzeiteinschätzung ergänzt man den Kp daher mit dem BZ-Wert aus DSCOVR-Satellitendaten, dem regionalen AE-Index für Aktivität in polaren Breiten und visuellen Berichten aus der Polarlicht-Community. Erst diese Kombination ergibt ein vollständiges Bild der aktuellen Bedingungen.
Seit Bartels' Einführung 1939 ist der Kp-Index die konsistenteste Zeitreihe geomagnetischer Aktivität, die es gibt. Über 85 Jahre Daten erlauben es, aktuelle Sturmaktivität in einen historischen Kontext zu setzen.
Das Maximum aller jemals gemessenen Kp-Werte ist 9, erreicht bei sehr wenigen Extremereignissen. Das stärkste direkt gemessene Ereignis in der Kp-Ära war der Sturm vom März 1989, der Quebec traf und einen Kp von 9 erreichte. Der Sturm im Mai 2024 erreichte ebenfalls Kp 9, das erste Mal seit fast zwei Jahrzehnten.
Das Carrington-Ereignis von 1859 liegt vor der Kp-Ära, aber rückgerechnete Werte auf Basis von Magnetogrammen legen nahe, dass der Kp damals deutlich über 9 gewesen wäre, wenn die Skala damals existiert hätte.
Kp 5 ist die unterste Sturmkategorie (G1). In Deutschland sind bei Kp 5 Polarlichter an der Nordseeküste und Ostseeküste möglich, meist nur mit Kamera erfassbar.
Der offizielle Kp-Index wird alle drei Stunden berechnet. Echtzeit-Annäherungen aus Satellitendaten sind häufiger verfügbar.
Das GFZ Potsdam ist die internationale Referenzstelle für den Kp-Index und veröffentlicht die offiziellen Werte.
Ab Kp 8 sind Polarlichter in ganz Deutschland einschließlich Bayern sichtbar. Bei Kp 9 sind sie auch aus Innenstädten mit bloßem Auge erkennbar.
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